Neuromotorische Unreife
Frühkindliche Reflexe entwickeln sich im Mutterleib oder kurz nach der Geburt. Sie unterstützen den Geburtsvorgang und ermöglichen das Überleben des Neugeborenen. Im Laufe des ersten Lebensjahres werden diese frühkindlichen Reflexe vom Gehirn gehemmt, also in eine Art „Ruhezustand“ versetzt, bzw. von reiferen Strukturen überlagert. Sollte dies nicht ausreichend geschehen, kann die weitere Entwicklung belastet sein und es kann eine neuromotorische Unreife bestehen. Es kann zu Themen im Bereich des Lernens und/oder des Verhaltens kommen, die für viele Kinder – aber auch deren Eltern – eine Belastung darstellen können.
Mit der Neuromotorischen Entwicklungsförderung wird an der Entfaltung der Wurzeln gearbeitet. Ist die Basis gestärkt, können Potenziale ausgeschöpft werden und Entwicklung kann voranschreiten. Das individuell abgestimmte Übungsprogramm (täglich 5-10 Minuten für die Dauer von 1 bis 1,5 Jahre) kann demnach die neuromotorische Entwicklung unterstützen.
Weshalb kann eine neuromotorische Unreife bestehen?
- medizinische Probleme
- emotionaler Stress – Fehlgeburt, arbeitsbedingt etc.
- Virusinfektion in den ersten 13 Schwangerschaftswochen
- etc.
- Frühgeburt
- Komplikationen während der Geburt
- Kaiserschnitt
- Geburtsgewicht und -größe
- Intensivpflege nach der Geburt
- medizinische Vorkommnisse nach der Geburt
- Auslassen bzw. verspätetes Erreichen von Entwicklungsschritten
- etc.
Reflexe und ihre möglichen Symptome
Moro-Reflex
Integration/ Hemmung: 2.-4. Lebensmonat
Der Moro-Reflex ist eine automatisierte Flucht- oder Kampfreaktion, also ein gewisser Überlebensmechanismus, um auf Bedrohung zu reagieren. Die Arme werden vom Körper nach außen weggestreckt bei gleichzeitiger Öffnung der Hände. Diese Bewegung wird von einer Einatmung begleitet. Ausgelöst wird der Reflex u.a. durch eine rasche Lageveränderung, einen lauten Ton oder einen unangenehmen visuellen Reiz.
mögliche Symptome
- Überreaktionen
- Hypersensitivität
- Ängstlichkeit
- Geräusch- und Lichtempfindlichkeit
- Allergien
- Wahrnehmungsprobleme
- Abneigung gegenüber Veränderungen
Asymmetrisch-tonische Nackenreflex (ATNR)
Integration/ Hemmung: 3.-9. Lebensmonat
Dreht das Kind den Kopf zur Seite, strecken sich die Gliedmaßen auf derselben Seite, auf der anderen Seite werden sie gebeugt. Diese Position wird auch Fechterstellung genannt.
- Handschrift
- Stifthaltung
- Probleme bei der Verfolgung der Zeile mit den Augen
- fehlende Lateralität
- Probleme bei der Mittellinienüberkreuzung
- Drehung des Heftes/ Blattes beim Schreiben
- Gleichgewichtsprobleme
Tonischer Labyrinthreflex (TLR)
Integration/ Hemmung: 3.-4. Lebensmonat bzw. bis 3,5 Jahre
Der TLR wird durch die Vor- und Rückwärtsbewegung des Kopfes ausgelöst. Beugt das Kind seinen Kopf nach vorne, erfolgt eine Beugung des Körpers nach vorne. Bei der Streckung des Kopfes nach hinten, wird der gesamte Körper gestreckt.
- Gleichgewichtprobleme
- auffällige Körperhaltung – steife oder schlaffe Muskulatur
- visuelle Wahrnehmungsprobleme
- Probleme bei der Organisationsfähigkeit
- schwach ausgeprägter Sinn für Zeit und Rhythmus
- Reiseübelkeit
- Schwächen im Erkennen bzw. Einhalten von Abfolgen
Symmetrisch-tonischer Nackenreflex (STNR)
Integration/ Hemmung: 9.-11. Lebensmonat
Wird der Kopf im Vierfüßler nach vorne gesenkt, kommt es zu einer Beugung der Arme und Streckung der Beine. Erfolgt ein Anheben des Kopfes, beugen sich die Beine und die Arme strecken sich.
- auffällige Körperhaltung im Sitzen (am Tisch liegen)
- langsames, fehlerhaftes Abschreiben
- erschwertes Schwimmenlernen
- schlechte Auge-Hand-Koordination
- Ungeschicklichkeit (z.B. Ballfangen)
